Engelsflügel und Plüschkamele WAZ vom 23.12.2013

Generalprobe-des-grossen-Krippenspiels-656x240Krippenspiele machen den Kirchenbesuch
am Heiligabend lebendig.
Das Leitungsteam des CVJM sorgt seit fünf Jahren
dafür, dass Ochs und Esel mit an der Krippe stehen.
Dieses Mal mit Mini-Orchester.

Weihnachten in der Kirche ist ja ein bisschen wie Romeo und Julia. Nicht, was den Inhalt oder den dramaturgischen Aufbau betrifft. Aber was das Lukas-Evangelium mit dem Shakespeare-Klassiker verbindet: jeder kennt das Ende der Geschichte. Wobei – jeder? Wer kann sich denn daran erinnern, wann er wirklich das erste Mal die Weihnachtsgeschichte gehört hat? Gerade für Kleinkinder ist der heutige Tag deshalb etwas Magisches. Die Geschichte von der Geburt Jesu brennt sich mit jeder Wiederholung tiefer in das Gedächtnis ein.

Um Kindern ein bisschen mehr zu bieten als das stumpfe Vorlesen des Evangeliums, gibt es vielerorts an Heiligabend in den Gottesdienst integrierte Krippenspiele. Seit fünf Jahren kümmert sich die CVJM-Gruppe (Christlicher Verein Junger Menschen) darum, dass auch in der evangelischen Kirche Hirten, Ochs und Esel Zeugen der nacherzählten Geburt Jesu werden.

„Die Geschichte ändert sich nicht und sie muss auch nicht geändert werden“, meint Alexandra Brockschmidt. Deshalb hat sie es sich mit ihren Kollegen aus dem Leitungsteam des CVJM zur Aufgabe gemacht, den Heiligabend Jahr für Jahr mit Leben zu füllen. „Mittlerweile haben wir, was die Kostüme angeht, einen richtigen Fundus.“ Die Gewänder der Drei Könige kommen von der katholischen Gemeinde. „Die restlichen Kostüme liegen im Keller und warten auf Weihnachten!“

Wo sind die Gaben?

Engel, Hirten, Könige, Josef und Maria – jede Rolle muss besetzt und auch mit den richtigen Requisiten bedacht werden. Deshalb rennt Benjamin auch kurz vor der Generalprobe hektisch durch den Raum und fragt, wo denn seine Gaben seien. Das Plüsch-Kamel hat er dabei unter den Arm geklemmt, er ist natürlich einer der Drei Könige. Seelenruhig hingegen ist Pia. Die 4-Jährige ist das Küken der Gruppe, mit ihren Engelsflügeln schwebt sie grinsend durch die Kirchenbänke. „Letztes Jahr habe ich zugeguckt. Jetzt will ich auch mitmachen.“

Das ist das Besondere an der Gruppe: Immer wieder rutschen neue Gesichter nach, in der Konstellation sehen sich die Kinder nur einmal im Jahr. Und die alten Hasen trauen sich immer mehr zu. Deshalb feiert eine Art Mini-Orchester in diesem Jahr Krippenspiel-Premiere. Mit Cello, Trompete, Saxophon, Querflöte und natürlich dem alt bewährten Chor wird das Stück musikalisch begleitet.

Musiker und Schauspieler haben vorab getrennt geübt, die Generalprobe war die erste Zusammenkunft der ganzen Mannschaft. „Das ist dann immer etwas unkoordiniert“, schmunzelt Günther Schäfer. Bis alle Mikrophone gerichtet und Ablaufpläne verteilt sind, dauert es seine Zeit. Gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten, wenn über 20 Kinder über die Bühne – pardon, durch den Chorraum wuseln. Und wohin eigentlich mit den Notenständern? „Nicht neben die Krippe. Dann ist kein Platz mehr für Maria und Josef!“ Das könnte so im Evangelium, gewissermaßen dem Drehbuch, stehen. Dann allerdings mit Blick auf die überfüllten Herbergen in Bethlehem. Aber keine Angst: Am Ende findet auch das hochheilige Paar in Rheinberg seinen Platz. Manche Dinge ändern sich halt nie…

Willi Haentjes

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